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Was ist PAS ?

Jedes Jahr erleben in Deutschland ca. 300.00 Kinder die Trennung der Eltern. Ein großer Teil davon verliert aus den verschiedensten Gründen den Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil und wird quasi zu Halbwaisen.

Für eine gesunde Entwicklung braucht ein Kind beide Eltern (*1). Es gibt die verschiedensten Formen der Ausgrenzung - von Umgangsbehinderungen bis hin zu PAS (Parental Alienation Syndrom), der radikalsten Form.

Viel häufiger als unter körperlichen Misshandlungen haben Kinder unter dieser Induzierten Kind-Elternteil-Entfremdung bei Trennungen der Eltern zu leiden.

PAS bedeutet die kompromisslose Zuwendung eines Kindes zu einem, - dem guten, geliebten - Elternteil und die ebenso kompromisslose Abwendung vom anderen - dem vermeintlich bösen, gehassten - Elternteil im Kontext von Sorge - und Umgangsrechtskonflikten der Eltern. Inzwischen liegen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zu PAS vor (siehe z.B. Richard Gardner (*2)). Symptome können sein (*3):

  • „Enuresis“ (Bettnässen) (Bühler/Kächele 1978)
  • Unruhe, Schlaflosigkeit, Bulimie (Esssucht)(Wallerstein/Kelly 1980)
  • Verhaltensauffälligkeiten, vor allem Disziplin - Schwierigkeiten in der Familie und in der Schule
    (Guidubaldki/Perry 1985, Kalter/Plunkett 1984)
  • Psychosomatische Symptome wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Akne, usw. (Doust 1983, Wallerstein/Kelly 1980)
  • Häufig gehen mit diesen Symptomen Konzentrations-, Lernschwierigkeiten und ein allgemeiner Abfall der Schulleistungen einher (Bedkower/ Oggenfuss 1988, Bernardt 1986, Guidubaldki/Perry 1985, Leahy 1984, Wallerstein/Kelly 1985).
  • Der Großteil der Kinder, deren Eltern sich scheiden ließen, zeigt sichtbare Irritationen im Gefühlsbereich: Angst, Ruhelosigkeit und Trauer (Kalter/Plunkett 1984, Wallerstein/Kelly 1980).
  • Diebstähle (Bühler/Kächele 1978)
  • Bei fast allen Kindern ist ein deutlicher Anstieg des Aggressionsptentials zu bemerken, das sich in Form von Ärger oder Wut an einem oder beiden Elternteilen oder auch an anderen Kindern entlädt (Büchler/Kächele 1978, Bernhardt 1986, Guidubaldky/Perry 1985, Kalter/Plunkett 1984, Wallerstein/Kelly 1980).

Mechanismen bei PAS

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Klenner beschreibt folgende Rituale zur Umgangsvereitelung durch PAS (*4):

„Die Formen der Umgangsvereitelung gleichen sich nicht nur in ihren Argumenten, als ritualisiertes Verhalten folgen sie auch nach einer ebenso gleichen und festgelegten Weise:

„Das Kind soll endlich zur Ruhe kommen“.

  1. „...aber das Kind will nicht“ in mehreren Spielarten.
  2. „Der andere Elternteil hat das Kind sexuell missbraucht“
    (in 40% aller gerichtl. Sorge- und Umgangsrechtsverhandlungen)

Die meisten dieser Beschuldigungen stellen sich später, nach psychologischer Begutachtung, als falsche Vorwürfe heraus.

Das PA-Syndrom hat inzwischen als Form der Kindesmisshandlung Einzug in die deutsche Rechtsprechung gehalten.

  • OLG Frankfurt am Main (6UF18/98), 18.05.1998
  • OLG Bamberg (7UF42/85); in: FamRZ 1985, Heft 11, S. 1175 - 1179
  • AG Ettlingen, Familiengericht, Az: 1 F 5/98BVG (IBvR602/92) vom 18.02.1993
  • OLG München, 12.04.1991, FamRZ91, S. 1343f.
  • OLG Frankfurt a.M. (6UF125/92), 29.01.1993
  • OLG Celle (19UF208/93) vom 25.10.1993; in FamRZ 1994, Heft 14,
    S.924 - 926
  • OLG Nürnberg (10UF441/98), 15.06.1998
  • OLG Bamberg (7WF122/94), in: NJW 1995, Heft 25,
    S.1684 - 1685
  • AG Rinteln (2XV178) vom 27.04.1998

(*1) Wera Fischer, „Wieviel Vater braucht das Kind“, www.wera-fischer.de

(*2) www.rgardner.com/refs

(*3) www.trennungskinder.de/folgen.htm

(*4) www.vev.ch/presse/fa151295.htm