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loslassen - nachgeben - den eigenen Weg weitergehen

Was bedeutet für uns Teilerziehung?

In einer Partnerschaft kann es durch unlösbare Konflikte zu einer Trennung kommen. Trennung bedeutet i.d.R. eine schwere Krise für alle Beteiligten und ist in den meisten Fällen mit sehr intensive Gefühle verbunden: Verletzung, Wut, Trauer, Enttäuschung, Hass, Befreiung, Schuldgefühle, Rachegefühle etc. Durch das Vorhandenensein eines oder mehrere Kinder, ist es wünschenswert und fast unumgänglich, dass der Kontakt der Eltern in irgendeiner Form weiter bestehen bleibt. Umso bedeutsamer ist es die Gefühle, die zur/zum ehemaligen Partnerin/Partner gehören, von den Gefühlen zu dem Kind zu unterscheiden. Sehr hilfreich ist es die Ex-Beziehung in einer Beratungsstelle aufzuarbeiten. Hier können evtl. auch die weiteren Umgangsregelungen mit dem Kind/den Kindern festgelegt werden. Denn eine verlässliche Regelung, wo die Kinder wann sind mildert Verlustängste des Kindes. Eltern sollten sich bspw. auch im Freundeskreis, in der Familie, in einer Selbsthilfegruppe, von Ärzten/Ärztinnen, von Rechtsanwältinnen/ Rechtsanwälten Unterstützung holen. Denn so wird es immer besser gelingen das Kind aus dem Paarkonflikt herauszuhalten und die Interessen des Kindes in den Vordergrund zu rücken. Eltern sollten nicht gegeneinander sondern miteinander handeln, so wird dem Kind der Konflikt erspart, jeweils einen Elternteil „im Stich zu lassen“, wenn es dem anderen nahe ist. Ein Kind sollte nicht Partei ergreifen müssen. Es muss spüren, dass es beide Eltern lieben darf und von beiden geliebt wird. Kinder brauchen und wollen beide Eltern, sie verkraften eine Trennung am ehesten, wenn beide Elternteile den anderen Elternteil weiterhin als solchen anerkennen und in Betreuung und Erziehung zusammenarbeiten. Elternaufgabe ist es, dem Kind Loyalitätskonflikte zu ersparen.

Beide Eltern tragen auch nach einer Trennung weiterhin die mit der Zeugung eingegangene Verantwortung für das Kind und sollen sie auf der Elternebene auch wahrnehmen. Voraussetzung ist, dass sich beide für die Entwicklung des Kindes verantwortlich fühlen und aus dieser Verantwortung heraus Entscheidungen finden, treffen und tragen.

Beim Umgang mit dem anderen Elternteil sollte das Wohl des Kindes geachtet werden und diesem Vorrang eingeräumt werden. Das Wohl des Kindes sollte entscheidendes Kriterium für Entscheidungen sein.

Interessen und Rechte der Elternteile sollten, wenn notwendig, in einer entsprechenden Situation zurückgestellt werden, wenn das Kind dadurch einen Vorteil erlangt. Informationen, die das Kind betreffen sind weiterzuleiten, u.U. über Briefe, ein Eltern-Kommunikationsbuch, per E-Mail oder über Dritte. Durch diesen Informationsfluss können Konkurrenzsituationen zwischen den Eltern und Loyalitätskonflikte der Kinder vermieden werden. Es ist den Kindern klarzumachen, dass sie unschuldig an der Trennung der Eltern sind. Die Auseinandersetzung untereinander ist Elternsache. Denn Kinder sollen möglichst sorgenfrei aufwachsen und genügend Freiraum für ihre Entwicklung haben. Dazu ist es wichtig den eigenen, individuellen Kontakt zum Kind zu pflegen und sich auf die Qualität dieser Begegnung zu konzentrieren.

Es gibt viele gerichtlich und außergerichtlich festgelegte Modelle, in denen die elterliche Sorge, das Aufenthaltsbestimmungsrecht und der Umgang geregelt ist. Innerhalb dieser Modelle kann der Faktor gemeinsamer Zeit von Elternteil und Kind ganz unterschiedlich aussehen. So kann es sein, dass ein Elternteil innerhalb eines Monats die Hälfte des Monats mit dem Kind verbringt, zwei Wochenenden, 8 Tage auf den Monat verteilt oder eine zusammenhängende Woche. Dies bringt zwangsläufig eine veränderte elterliche Identität mit sich. Das Verantwortlichkeitsgefühl wird durch den Umfang der gemeinsamen Zeit mit dem Kind und dem konfliktbehafteten oder gar nicht vorhandenen Absprachen zwischen den Elternteilen beeinflusst. Im Bewusstsein der elterlichen Verantwortung sollte jedes Elternteil seinen/ihren wichtigen Anteil zur Erziehung/Begleitung des Kindes ausüben und tragen und ist somit teilerziehend.